Die Basis-Informationen vor einer MPU - BNV Verkehrspsychologen - Fahrerlaubnis, Zweifel an der Eignung - Gutachten für Fahreignung
Vor MPU - Basis-Informationen

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Gutachten, Eignung, Fahrerlaubnis - Basis-Informationen vor einer MPU

Die Medizinisch-Psychologische Fahreignungsuntersuchung, im Volksmund leider immer noch häufig "Idiotentest" genannt, hat folgenden Hintergrund.

Da in Deutschland das Führen eines Kraftfahrzeuges grundsätzlich verboten ist, benötigt man dafür eine spezielle Erlaubnis, die Fahrerlaubnis. Diese wird unter zwei Voraussetzungen erteilt: Zum einen muss der Bewerber befähigt zum Führen von Kraftfahrzeugen sein, zum anderen geeignet. Die erste Bedingung wird bei einem Erstantrag auf Erteilung der Fahrerlaubnis immer überprüft (theoretische und praktische Fahrprüfung), bei einer Neuerteilung (nach Entziehung) können diese Prüfungen oft entfallen.

Die zweite Voraussetzung, die Geeignetheit, prüft die Verwaltungsbehörde (Straßenverkehrsamt) nur dann, wenn Zweifel an der Eignung vorliegen. Gründe, die solche Zweifel auslösen, sind beispielsweise das Vorliegen körperlicher Gebrechen, der Verstoß gegen strafrechtliche Bestimmungen in Verbindung mit dem Führen eines Kraftfahrzeuges, das Erreichen von 8 Punkten im Fahreignungsregister ("Flensburg"), das Fahren unter Einfluss von Betäubungsmitteln oder allgemein Drogenkonsum oder - in der Praxis am häufigsten - eine erste Trunkenheitsfahrt mit über 1,6 Promille oder eine zweite Trunkenheitsfahrt (unabhängig von der Höhe der Promillezahl).

Liegen Gründe für Zweifel an der Eignung vor, können Sie diese als Antragsteller dadurch ausräumen, dass Sie das Gutachten einer Begutachtungsstelle für Fahreignung vorlegen. Bei einer solchen MPU (Medizinisch-Psychologischen Untersuchung) wird überprüft, ob Sie trotz der Vorbelastungen Gewähr dafür bieten, dass Sie in Zukunft ohne weitere Auffälligkeiten am Straßenverkehr teilnehmen. Können Sie diese Zweifel nicht ausräumen, d.h. legen Sie entweder kein Gutachten vor oder ist dieses ungünstig ausgefallen, dann wird die Straßenverkehrsbehörde Ihren Antrag auf (Wieder-) Erteilung der Fahrerlaubnis ablehnen, bzw. Ihnen die Fahrerlaubnis entziehen.

Die MPU besteht aus drei Teilen: Verkehrsmedizin, Verkehrspsychologie und Leistungstests.

Ein gesunder Mensch wird bei der Untersuchung durch einen Verkehrsmediziner selten Probleme haben. Wenn Sie allerdings chronische Krankheiten haben, bei denen Leistungsminderungen auftreten können, oder wenn Sie gar wegen Krankheiten zur MPU geschickt wurden, sollten Sie vor der MPU mit Ihren behandelnden Ärzten sprechen. Ein zusätzlicher Gang zum Verkehrspsychologen kann sich dann lohnen, wenn Ihr Umgang mit der Krankheit einen großen Unterscheid für deren Verlauf oder für ihren Einfluss auf das Fahren hat (etwa: ob Sie Medikamente regelmäßig nehmen, ob Sie Ihre Fahrten Ihrer jeweils aktuellen Fitness anpassen).

Bei Leistungstests kommt es nicht darauf an, eine Goldmedaille zu gewinnen. Die Tests sollen lediglich die Personen identifizieren, bei denen man befürchten muss, dass sie von Fahraufgaben überfordert sein könnten. Falls Sie bei den Leistungstests durchfallen, aber sonst alle Teile der MPU günstig ausgefallen sind, wird man Ihnen eine "Fahrverhaltensbeobachtung" anbieten, um mit Ihnen zu prüfen, ob Sie in Wirklichkeit gut fahren können.

Wenn Ihr Grund für die MPU darin besteht, dass Sie in der Vergangenheit etwas falsch gemacht haben (zu viele Punkte erworben, betrunken gefahren ....), wird der verkehrspsychologische Teil der MPU die größte Hürde sein. Der verkehrspsychologische Gutachter will von Ihnen geschildert haben, wie das regelwidrige Verhalten zu Ihrer damaligen Lebensweise gepasst hat, welche Veränderungen Sie zwischenzeitlich vorgenommen haben und wie Sie diese in Zukunft absichern und nicht wieder verlieren wollen.

Der psychologische Gutachter prüft, ob Ihre Aussagen untereinander widerspruchsfrei sind und ob sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen harmonieren. Sofern Ihre Darstellung diese Prüfung besteht, nimmt der Gutachter sie zur Grundlage einer Diagnostik, welche psychologischen Hintergründe Ihre Auffälligkeiten hatten. Die Diagnostik ist komplex und detailreich, und das muss und darf sie auch sein. Sie darf kompliziert sein, weil der Psychologe ungefähr 9000 Stunden studiert hat und mit der Komplexität umgehen kann. Die Diagnostik muss kompliziert sein, weil Menschen sehr unterschiedlich sind und schon die Nicht-Psychologen wahrscheinlich Dutzende von Hintergründen kennen, vor denen so etwas wie "Trunkenheitsfahrt mit zwei Promille" zustande gekommen sein kann: Trinken aus Ärger, Trinken aus Geselligkeit, Trinken aus Freude an der Enthemmung, Trinken aus Freude am Schwips, Trinken wegen Einsamkeit, Trinken als Selbstverständlichkeit, Trinken aus Höflichkeit, Heimliches Trinken, Trinken ohne Probleme als manchmal Kopfschmerzen, Trinken trotz Ehescheidung, Trinken wegen Ehescheidung, Trinken trotz anderer Vorsätze, Trinken wegen Entzugserscheinungen ....

Aus dem Ergebnis der Diagnostik ergeben sich die Erwartungen, wie Sie sich verändert haben sollten. Um beim Alkohol zu bleiben: ein Alkoholabhängiger sollte mittlerweile ohne Alkohol leben und das auch in Zukunft beibehalten wollen. Wer kontrolliert mit Alkohol umgehen kann, sollte sich die Methoden erarbeitet und eventuell auch Erfahrungen mit ihnen gesammelt haben.

Die Forschung zeigt, dass Beratene deutlich häufiger die MPU bestehen als Unberatene. Auch die Unberatenen haben eine Chance, aber z.B. aufgrund der Kompliziertheit der Diagnostik ist sie geringer - ein anderer Grund ist, dass es schwer und fehleranfällig ist, sich selber eine Diagnose zu stellen.

Ideale Berater sind niedergelassene Verkehrspsychologen im BNV, weil sie im wesentlichen dieselben Kompetenzen haben wie die psychologischen Gutachter in der MPU und dabei wirtschaftlich und organisatorisch von den MPU-Stellen unabhängig sind. Es gibt - leider - auch sehr viele schlecht oder gar nicht ausgebildete "MPU-Berater" in Deutschland. Das Arbeitsgebiet ist staatlich nicht geregelt. Ausnahmen bestätigen die Regel: natürlich gibt es in Einzelfällen auch richtig schlechte Psychologen und in Einzelfällen auch sehr talentierte und seriöse Berater ohne allzu ernst zu nehmende psychologische Ausbildung.

Eine schlechte Beratung bedeutet schlechte Diagnostik. Statt einer angemessenen und respektvollen Würdigung der individuellen Unterschiede gibt es Aussagen wie "ab 2 Promille müssen Sie immer abstinent werden". Eine Fehldiagnose dieser Art bedeutet nicht nur unnötige Kosten für Abstinenznachweise, sondern bringt den Beratenen zu einem Verhalten, von dem er nicht überzeugt ist und das er deshalb nach der MPU wahrscheinlich nicht beibehält.

Gute Beratung erarbeitet mit Ihnen Ihre Diagnose und teilt sie Ihnen mit. Zusätzlich gibt sie Ihnen anbieterneutrale Informationen, wie Sie Eignung erlangen können. Ein niedergelassener Verkehrspsychologe kann Sie in der Regel bis zur MPU begleiten und mit Ihnen an Ihrer Fahreignung arbeiten. Aber manchmal, z.B. bei einer Abhängigkeitserkrankung, ist es preiswerter und und qualitativ besser für Sie, wenn der Verkehrspsychologe Sie in das Gesundheitssystem oder in die Suchthilfe schickt und seine Arbeit mit Ihnen auf ein Minimum beschränkt. Für Gesundheitssystem und Suchthilfe haben die Beitrags- oder Steuerzahler bereits bezahlt, während ein Verkehrspsychologe frisches Geld kosten muss.

Weil Beratung durch Verkehrspsychologen hoch qualifizierte Arbeit ist und weil Sie als Beratener neutral und gut informiert werden sollen, kostet sie in der Regel Geld. Wenn ein Beratungsgespräch bei einem Anbieter kein Geld kostet, handelt es sich möglicherweise eher um ein Verkaufsgespräch.


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